Yogalehrerausbildung 2010
Unsere Yogalehrerausbildung im Sinne des neuen Yogawillens setzt in Berufsbild und Inhalt besondere Schwerpunkte. Daher möchte ich in diesem Artikel die Ziele und das Gesamtbild unserer Ausbildung ein wenig beschreiben, um so eine bessere Entscheidungsgrundlage für alle Interessierten zu schaffen.
Bernhard Spirkl (Ausbildungsleiter)
Das Berufsbild des Yogalehrers, so wie wir es verstehen, umfasst mehr als die Vermittlung von Übungen und Techniken. Die Stellung des Yogalehrers innerhalb der heutigen Kultur ist in unserem Sinne die eines Vermittlers zwischen Geist und Welt, zwischen einem esoterischen Gedankengut und der üblichen Dialektik des Denkens und Auffassens in unserer Zeit. Es gibt heute nur sehr wenige Menschen, die aus ersten realen Erfahrungen und einer soliden Fachkunde heraus von den seelisch-geistigen Zusammenhängen des Menschseins und des Lebens sprechen können, und die darüber hinaus fähig sind, ihre Ausdrucksweise an die Denk- und Vorstellungsart unserer heutigen Zeit so anzupassen, dass sie verstanden werden. Vielfach findet man entweder eine Art religiöses oder esoterisches Schwärmertum oder eine mehr abstrakte und theoretische Darstellungsweise. Aus dem Erleben des Gedankens selbst heraus oder, wie es Rudolf Steiner genannt hat, aus der Imagination heraus einen Zusammenhang lebendig zu schildern, so dass er von den Yogaschülern als eine tatsächlich gegebene Wahrheit unmittelbar nachempfunden werden kann, ist eine Fähigkeit, deren Ausprägung wir für den Yogalehrerberuf als notwendig ansehen. Auch wenn die Ausprägung dieser Fähigkeit Jahre bis hin zu Jahrzehnten in Anspruch nehmen kann, ist sie grundlegend für den Beruf des Yogalehrers und macht Übungsleiter erst zu einem wahrhaftigen Lehrer des Yoga.
Wegweisend für diesen Beruf ist weiterhin nicht die Vermittlung einer Übungstechnik, sondern die Schulung eines zusammenhängenden und bildhaften Denkens bei den Schülern, das Heranführen von tieferen und wahren Empfindungen zu den verborgenen Gesetzmäßigkeiten des Lebens und die Entwickung eines Sinnes für die dem Leben zugrundeliegende Dimension des Geistes. Der Lehrer braucht eine eigene Aussage in seinem Unterricht, und muss in der Lage sein diese auf eine dem Zielpublikum angepassten Weise zu vertreten und darzustellen. Dadurch ist sein Wirken frei und wird unabhängig von einer bestimmten Übungsweise oder Stilform.
Die Übung erhält im Yogaunterricht mehr den Charakter einer künstlerischen Darstellung oder eines Mediums, mit dessen Hilfe eine Lebensgesetzmäßigkeit (Imagination) zum Ausdruck gebracht und immer tiefer verstanden und erlebt werden kann. Während Yogaübungen heute fast ausschließlich zum Energiegewinn und zur Steigerung subjektiver Gefühlserfahrungen verwendet werden, wird die Übung im neuen Yogawillen zu einer Gabe und Darbringung des Körpers an das Leben. Kunst, Erkenntnisuche und eine lebendige, das Ich bewahrende Hingabe vereinen sich in einer Übungspraxis, welche das Menschsein im Erleben von freier Bewegung und freier Atmung wahrhaft erhebt und manifestiert.
Die Übungspraxis und der Unterricht bewahren dabei jedoch immer einen praktischen und gedanklich nachvollziehbaren Charakter und bleiben fern von typisch esoterischen Formen, wie sie im Yoga heute vielfach anzutreffen sind. Schritt für Schritt führt der Yogalehrer den Übenden sowohl in den Bewegungen als auch im Sinne der Imaginationen in ein zunehmendes, eigenständiges Realisieren der Zusammenhänge von Körper, Seele und Geist.
Als Ziele für den Yogaunterricht können hier aus Platzgründen nur drei der wesentlichsten genannt werden:
1. Freie Bewegung und freien Atem fördern
Im einfachsten Sinne streben wir im Unterricht erst einmal ein Wahrnehmen des Körpers an: Der Schüler soll, so einfach es klingt, erst einmal bemerken, dass er eine Wirbelsäule, einen Brustkorb, Arme und Beine hat und wie diese Körperteile förmlich darauf warten, aus ihrer Starre herauszutreten und neu in ihrem tieferen Sinnzusammenhang empfunden zu werden. Welche Art des Erlebens gefördert werden soll, drückt sich sehr schön in den folgenden Zeilen von Heinz Grill aus:
Der Körper ist ein genau bemessener Ausdruck des irdischen Daseins, durch den eine transzendente und kosmische Weisheit strahlt, die ihn mit Leben und Seele erfüllt und erhellt. Der Körper selber aber ist nicht Geist oder Seele, durch ihn erstrahlt auf individuelle Weise der universale Geist und die kosmische Seele.
Eine asana, eine Körperübung offenbart die spezifischen Eigentümlichkeiten des Kosmos, denn sie ist gar nicht so sehr eine reine Körperübung, sondern mehr eine feinfühlige Empfindungsübung, bei der die Hingabe im Lichte des Kosmos erlebt wird. In der Bewegung, in dem Auf und Nieder der Gliedmaßen, im dynamischen Wechselspiel von Statik und Motorik atmet ein inneres Gefühl, das in seinem seelischen Ursprung aus dem Lichte des Kosmos entströmt.
Indem wir die Bewegung nach dem inneren seelischen Gehalt und den verborgenen Empfindungen studieren, erleben wir den Kosmos in seinen Gesetzen und Wirkungen.
Vor allem durch Übungsdemonstration, aber auch durch gute Didaktik kann der Yogalehrer, wenn er selbst sich in der Bewegung und im Atem freier empfinden gelernt hat, dies dem Teilnehmer weitergeben. Der Teilnehmer fühlt damit, dass er im Unterricht nicht eine Reihe von Körperübungen erlent, damit es ihm besser geht, oder damit er mehr Energie zur Verfügung hat, sondern er ahnt, dass diese Übungen eigentlich eine Tiefe haben, dass sich der Körper bei deren Ausführung auf neue Weise in das Leben einfügt. Er gewinnt Interesse für das neue Erleben des Körpers in der Übung und entdeckt dabei auch die charakteristischen Bewegungs- und Empfindungsformen an den verschiedenen Regionen der Wirbelsäule, die im Yoga allgemein als Chakren bekannt sind. Um dies zu erreichen, muss die Anleitung des Lehrers selbst in einem tieferen Erleben der Übung gegründet sein, sonst treten Lehrformeln und Konzepte an die Stelle des eigenen Erlebens und das Üben wird mechanisch und technisch. Wenn der Schüler nicht der Asana begegnet, ihren Ausdruck in der Tiefe erleben lernt, muss er diesen Mangel wohl zwnagsläufig durch eine mehr leistungsbezogene Praxis oder eine mehr emotionale versunkene Praxis kompensieren. Der Yogalehrer kann tatsächlich in seinen Stunden lernen, den Kosmos im und durch den Menschen zum Strahlen zu bringen.
2. Das Bewusstsein der Übenden ordnen
Im gewöhnlichen Alltagsbewusstsein befinden wir uns normalerweise fast ständig in einer Art “Eigendrehung”: Die Gedanken, Gefühle und Handlungen kreisen um uns selbst und sind sehr stark auf den Vorteil fixiert, den uns eine Sache oder eine Handlung verschafft. Der Yogaleher kann nun diese Art der Bewusstseinsfixierung, bei der die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und Wollens beim Schüler sehr stark ineinander verwickelt sind, in eine größere Weite führen lernen. Dies vor allem dadurch, dass beim Teilnehmer eine natürliche Aufmerksamkeit zum Erleben des Körpers und auch darüber hinaus auf die feineren Empfindungsdimensionen der Übung gefördert wird.
Indem das Interesse des Schülers erwacht und er beginnt, aufmerksam und mit allen Sinnen zur Übung in Beziehung zu treten, ordnet sich sein Bewusstsein bzw. wie man im Yoga sagen würde, sein Astralleib, auf neue Weise. Seine Empfindungen gewinnen eine neue Tiefe und vieles an bedrängenden Gefühlen und sorgenvollen Gedanken, das sonst den Alltag belastet, fällt von ihm ab. Indem er es im Unterricht immer wieder erlebt, lernt der Schüler dieses sehr einfache Gesetz des Astralleibes kennen und lernt ebenfalls, es auch im eigenen Leben immer mehr zur Anwendung zu bringen. Es findet gewissermaßen über die Übung als Medium eine Art Ordnung des Astralleibes statt, der nun klarere, gegliedertere Formen anzunehmen beginnt.
Der Schüler erlebt, dass immer dann, wenn er von sich selbst weg kommt, und zur Sache oder zur Begegnung mit einem Thema gelangt, sein Bewusstsein und sein Wahrnehmen klarer, geordneter und meist auch freudiger ist. So bilden sich erste Erfahrungen über die Natur des Astralleibes. Der Yogalehrer kann daran anknüpfend vieles an Unterrichtstehmen heranführen sowie Verbindungen zum Alltag herstellen: Wie fühlt es sich an, wenn das Bewusstsein geordnet ist, wie, wenn es chaotisch ist? Welche Art Ausrichtung oder Tätigkeit (in der Asana, aber auch im Alltag) führt zur Ordnung, welche zur “Chaotisierung”?
Näheres zu dieser Gesetzmäßigkeit und auch darüber, wie die eben geschilderten Lernschritte vor allem zu den, viele Yogaschüler bedrängenden Fragen der Stressbewältigung und Entspannung Antworten und Lösungsmöglichkeiten bieten können, finden sie auch in dem Artikel “Stressbewältigung mit Yoga” (externer Link)
3. Von Konsumhaltung zum eigenen Gestalten des Lebens führen
Die vermutlich größte Herausforderung an den Yogalehrer besteht heute wohl in der inneren Haltung, die Teilnehmer gegenüber dem Yoga und ihren Übungen mitbringen. Man geht ins Yoga, so wie man abends ins Fitnessstudio geht, zum Schwimmen oder ins Kino. Kaum jemand versteht den Yogaunterricht so, dass er dort auch Lernschritte erzielen oder gar mental gefordert werden möchte. So muss der Yogalehrer eine große pädagogische Geschicklichkeit entwickeln, wenn er die Teilnehmer von ihrer anfänglichen Erwartungshaltung zur aktiven Gestaltung der Übung führen möchte.
Hat der Teilnehmer aber erst einmal entdeckt, dass die Übung ein viel reichhaltigeres Erleben bietet, wenn sie nicht nur passiv “genossen”, sondern mit klarer Vorstellungsbildung begonnen und durch spirituelle Inhalte veredelt wird, findet diese neue innere Haltung auch mehr in den Lebensalltag hinein. Er endeckt, dass er eigentlich die Sehnsucht in sich trägt, das Leben selbst mehr zu führen und seine bisherige Konsum- oder auch Anspruchshaltung mehr zu überwinden.
Wir werden in unserer Kultur seit Jahrzehnten dazu erzogen, unsere Inhalt passiv entgegenzunehmen, sie uns durch die Freizeit- und Unterhaltungsindustrie verkaufen zu lassen. Im gut geführen Yogaunterricht kann der Übende lernen, wieder neue Interessengebiete zu entdecken und sich womöglich sogar mit geisteswissenschaftlich vertiefenden Gedanken zu beschäftigen. Dies gibt ihm einen neuen inneren Halt und lässt ihn unempfindlicher und unabhängiger gegenüber Suggestionen und der Panikmache von Seiten des Zeigeistes werden.
Soweit ein kurzer Abriss zu den wichtigsten Unterrichtszielen im neuen Yogawillen. Dieses Thema könnte natürlich noch viel weiter differenziert zur Darstellung kommen. Für eine erste Orientierung dürften die oben genannten drei Punkte aber hilfreich sein.
Alle Informationen zur Ausbildung finden Sie auf www.akademie.yogawille.de oben in der Menüleiste unter: YOGALEHRERAUSBILDUNG

Unsere Yogalehrerausbildung im Sinne des neuen Yogawillens setzt in Berufsbild und Inhalt besondere Schwerpunkte. Daher möchte ich in diesem Artikel die Ziele und das Gesamtbild unserer Ausbildung ein wenig beschreiben, um so eine bessere Entscheidungsgrundlage für alle Interessierten zu schaffen.
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